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Ja-Wort im "Jerusalem des Westens"
Erste traditionelle jüdische Hochzeit im pfälzischen Speyer
seit mehr als 70 Jahren
In der vergangenen Woche wurde in Speyer erstmals nach mehr
als 70 Jahren wieder eine echte "Chuppa", gefeiert. Nach diesem traditionellen Ritus hatten sich zwei Studierende aus Stuttgart das Ja-Wort gegeben. Nach Angaben der jüdischen
Gemeinde vor Ort war es die erste traditionelle Hochzeit in der rheinland-pfälzischen Domstadt seit 1938.
"Es wurde langsam Zeit. Früher im Mittelalter gab es in Speyer
wöchentlich jüdische Hochzeiten", sagte Rabbiner Menachem Mendel Gurewitz (Offenbach), der die religiöse Zeremonie leitete.Die Hochzeit fand unter freiem Himmel auf dem
Synagogengelände bei der Speyerer "Mikwe" vor zahlreichen nicht-jüdischen Schaulustigen statt, die ebenso wie die Hochzeitsgäste dem Brautpaar "Mazel tov", viel Glück, wünschten
. Die Speyerer "Mikwe"auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge gilt als die älteste noch funktionstüchtige Anlage ihrer Art in Europa.
Der Stuttgarter Informatikstudent Vlad und die Frankenthaler Medizinstudentin Inesa Zobin stammen ursprünglich aus Weißrussland und der Ukraine. Sie sehen sich nicht als streng
orthodoxe Juden, wollten aber ihren "jüdischen Glauben und Tradition auch in Deutschland leben und stilvoll heiraten", sagten
die beiden Die 25 Jahre alten Hochzeiter entschieden sich für Speyer als religiösen Trauort, weil diese Stadt über eine reiche jüdische Kulturgeschichte verfügt.
Standesamtlich hatten die beiden bereits in der letzten Woche ebenfalls in Speyer geheiratet.
Speyer war für die europäischen Juden im ausgehenden Mittelalter in einem jüdischen Städtebund mit Mainz und Worms
das "Jerusalem des Westens" und gilt Historikern als Geburtsstätte der aschkenasischen Kultur. Im 17. Jahrhundert war die jüdische Kultur in Speyer aber bereits wieder
untergegangen. Heute zählt Speyer rund 200 Bürger jüdischen Glaubens. Seit 1996 existiert wieder eine jüdische Gemeinde, die die Hochzeitsfeier mitarrangiert hatte.
Dieter Jooß
Foto: Oksana Korovai
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Letzte Änderung: 10.04.2012
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