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Speyerer Mikwe nach mehr als 900 Jahren noch "koscher"
 Die historische Mikwe (Mikwa'ot) auf dem Gelände der mittelalterlichen Synagoge in
Speyer ist "koscher". Jüdinnen und Juden könnten darin auch noch fast 900 Jahre nach ihrem Bau (1128) ohne religiöse Bedenken ein rituelles Bad nehmen. Das ist das
Ergebnis einer Untersuchung des Rabbiners Meir Posen (Jerusalem), die in der
vergangenen Woche stattfand.
Bevor Rabbiner Posen in Speyer Station machte, plante und beaufsichtigte er den Bau von Mikwa'ot unter anderem in Johannesburg, Schanghai, Peking, in Australien,
Thailand, der Ukraine, in Südspanien, England, Paris und jüngst in Konstanz. Den 84 Jahre alten Schriftgelehrten bezeichnete die in Berlin erscheinende "Jüdische Zetung"
jüngst als "weltweit einer der wenigen international anerkannten Experten für für den Bau von jüdischen Tauchbädern". "Mikwen korrekt beurteilen zu können, sei eine Sache der
Ausbildung, der jahrzehntelangen Erfahrung und ein wenig auch eine Frage angeborenen Talents", meinte der perfekt Deutsch sprechende Rabbiner, der in Frankfurt am Main
geboren wurde und bereits 1932 mit seiner Familie erst in die Niederlande und dann nach Großbritannien ausgewandert war. Heute lebt und arbeitet er in Jerusalem und in
London. Nach Speyer war er einer Einladung der jüdischen Gemeinde Speyer gefolgt. Es war sein erster Besuch in der Domstadt. Juliana Korovai, die Vorsitzende der
Jüdischen Gemeinde Speyer bezeichnete den Besuch und den Mikwen-Segen des Rabbis als ein vorgezogens Chanukka-Geschenk. Dieser hohe jüdische Feiertag
(Lichterfest) wird in diesem Jahr einige Tage vor Weihnachten gefeiert. Diese Jahr fällt er auf Mittwoch, 21. Dezember. Die jüdische Gemeinde will dieses Fest mit einer Feier
im Seniorenbüro begehen, bei dem an Kinder auch Präsente verteilt werden. Seinen Segen für die Mikwe gab der Rabbi allerdings mit einer wichtigen Einschränkung
. Seiner Expertise nach ist die Mikwe zwar "zweifelsfrei koscher", allerdings kaum zu nutzen. Wegen fehlender Heizung und wegen diverser Sicherheitsbedenken wie etwa
fehlenden Geländern sei die Mikwe sehr unpraktisch. Außerdem werde die Mikwe von der Stadt als Hausherrin als Museum und Touristenattraktion genutzt, weswegen sie für
eine rituelle Nutzung als Bad eher ungeeignet sei. Für andere zeremonielle Anwendungen, wie etwa das "Twilas Keilim" (spirituelle Weihe von frisch gekauftem
Geschirr) sei die Speyerer Mikwe aber durchaus geeignet. Bei einem anschließenden kleinen Empfang im Rathaus verneinte Oberbürgermeister
die Möglichkeit die Mikwe rituell zu nutzen und verwies auf den musealen Charakter und den Denkmalschutz, die bauliche Veränderungen verhinderten. Der Rabbi äußerte dafür
Verständnis, regte aber an, ob nicht auf dem Gelände der neuen Synagoge eine Mikwe gebaut werden könnte, den ein Tauchbad sei insbesondere für orthodoxe Jüdinnen und Juden genauso wichtig wie die Synagoge selber.
Die Mikwe ist ein rituelles Tauchbad, dem in den jüdischen Gemeinden eine hohe Bedeutung zukommt. Fast jede Gemeinde war im Besitz eines solchen Tauchbades,
und so sind allein in Deutschland noch fast 400 vorzufinden. Bekannte rituelle Bäder befinden sich in Worms, Heilbronn, Friedberg, Offenburg, Köln und Ravensburg. Ihre
Nutzung hat nichts mit körperlicher Sauberkeit zu tun, sondern zielt auf die Wiederherstellung physischer und psychischer Unversehrtheit.Speyer und damit auch
die historische Mikwe hat für die europäischen Juden besondere Bedeutung, denn die Stadt war im ausgehenden Mittelalter in einem jüdischen Städtebund mit Mainz und
Worms das "Jerusalem des Westens" und gilt Historikern als Geburtsstätte der aschkenasischen Kultur. Im 17. Jahrhundert war die jüdische Kultur in Speyer bereits
wieder untergegangen. Heute zählt die Domstadt wieder rund 200 Bürger jüdischen
Glaubens. Dieter Jooß
Foto: Oksana Korovai
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